Was uns antreibt

1. Regional statt zunehmendem Import!

Die Umsetzung des Agrarpaketes wird für die Landwirte mit erheblichen Einschränkungen und deutlichen Mehrkosten bei sinkenden Erträgen verbunden sein. So wird unsere regionale Lebensmittelproduktion, die gesellschaftlich immer wieder gefordert wird, weiter geschwächt. Das Resultat: Der Lebensmittelimport wird steigen und zwar ohne Einfluss auf ökologische und soziale Standards im Herkunftsland. Das ist weder in unserem Sinne, noch entspricht es dem Wunsch des Verbrauchers. Nur hier in Deutschland können wir MITeinander gestalten, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden. Ernst gemeinter Arten- und Tierschutz in der Lebensmittelproduktion kann nur hier vor Ort und nicht in Übersee geleistet werden! Darüber hinaus, muss die gesellschaftliche Forderung nach mehr Arten- und Tierschutz auch immer mit Antworten nach der Finanzierung dieser durch die Gesellschaft verknüpft werden.

2. Kooperation statt Verbotspolitik!

Wir Landwirte stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel, für eine klimaschonende Landwirtschaft und Tierwohl in unseren Ställen. Bereits heute gibt es in unserem Land zahlreiche Aktivitäten und Kooperationen, um Tierwohl sowie Artenschutz nachhaltig und wissenschaftlich basiert weiterzuentwickeln und zu stärken. Wir Landwirte können das und wollen das!
Aber machbar ist dies nur unter sinnvoller Abwägung von Ökonomie, Ökologie sowie unter Berücksichtigung der sozialen Strukturen. Diesen Weg kann man nur miteinander beschreiten, nicht gegeneinander! Das Agrarpaket wurde durch die Bundesministerien ohne vorherigen Dialog mit der Branche, aber vor allem ohne eine der Tragweite entsprechenden Folgenabschätzung für die ländlichen Räume, die Versorgungssicherheit mit regionalen Lebensmitteln sowie die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft erarbeitet. Dagegen verwahren wir uns und nicht gegen das Agrarpaket generell. Schluss mit der Verbotspolitik! Eine echte gesellschaftliche Kooperation ist erforderlich: Beginnend bei der Frage an uns alle: Worauf sind wir bereit zu verzichten? Was ist uns das Mehr Artenschutz und Tierwohl wert? Wie können wir dies finanzieren?

3. Lebendiges Land statt Land ohne Leben!

Wir Landwirte befürchten, dass die Umsetzung des Maßnahmenpaketes den negativen Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter anheizen wird. Das ist für die heute noch vielfach regional verankerte Landwirtschaft in vielen Bundesländern und somit für viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, aber auch in den vor- und nachgelagerten Bereichen, eine reale Gefahr. Aktuell arbeiten zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern in ca. 4.700 landwirtschaftlichen Betrieben über 25.000 Menschen. Hinter jedem einzelnen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft stehen sieben weitere Jobs in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern ist jeder Arbeitsplatz im ländlichen Raum wertvoll. Diese Arbeitsplätze halten die Menschen in den Dörfern und machen die ländlichen Räume liebens- und lebenswert. Nicht selten sind es Landwirte in den Dörfern, die Feuerwehrmann, Bürgermeister, Schneeschieber und Bauer zugleich sind.

Zur Erreichung dieser Ziele fordern wir…
  1. …, dass die gesellschaftlichen Wünsche nach mehr Umwelt- und Tierschutz durch die gesamte Gesellschaft finanziell getragen werden, denn für echte Veränderungen benötigen wir ein MITeinander!
  2. …, dass Zielkonflikte zwischen dem Erhalt einer regionalen Lebensmittelproduktion und den steigenden Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen endlich durch die Politik benannt werden.
  3. …, dass die Ursachen des Insektenrückgangs ergebnissoffen, wissenschaftlich basiert und nicht allein auf die Landwirtschaft beschränkt (z.B. LED, UMTS, Wetterschwankungen, Vergrünung) erforscht werden, denn nur so können wir mehr Insektenschutz erreichen.
  4. …, dass landwirtschaftliche Flächen in Schutzgebieten auch zukünftig nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch erfolgreich bewirtschaftet werden können. Hier sind smartere Lösungen als plumpe Verbote gefragt.
  5. … eine Reduzierung des landwirtschaftlichen Flächenverbrauches von 70ha/Tag in Deutschland sowie der dauerhaften Flächenversiegelung, denn auch das ist Natur- und Insektenschutz.
  6. …, dass bestehende Tierwohlprogramme gefördert und weiterentwickelt werden, anstatt neue Label zu schaffen, denn davon gibt es schon jetzt zu viele.
  7. …, eine objektive Untersuchung der auffälligen Nitrat-Messstellen, damit endlich zwischen landwirtschaftlichen und NICHTlandwirtschaftlichen Verursachern unterschieden werden kann und wir Verbesserungen erreichen.
  8. … die Erweiterung des Nitrat-Messstellennetzes zu einem repräsentativen Messnetz, wie es auch in anderen europäischen Staaten besteht und Meldung dieser repräsentativen Daten an die EU, damit in Europa gleiche Maßstäbe für alle bestehen.
  9. …, dass Schwachstellen im kommunalen und industriellen Abwassernetz, wie z.B. bestehende Direkteinleitungen in Flüsse, benannt und beseitigt werden.
  10. … eine Binnendifferenzierung innerhalb der roten Gebiete, damit Maßnahmen zielgenau ergriffen werden können.
  11. … die Möglichkeit zu einem echten Vertragsnaturschutz, damit wir auch mit Naturschutz unseren Lebensunterhalt bestreiten können.
  12. …, dass importierte Waren mindestens dem deutschen gesetzlichen Standard entsprechen, andernfalls sollten sie mit „unter dem gesetzl. Standard D hergestellt“ gekennzeichnet werden
  13. … eine klare Herkunftskennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte, auch in verarbeiteten Lebensmitteln, damit Verbraucher regionale Produkte leicht erkennen und kaufen können .
  14. … eine Reduktion des bürokratischen Aufwands für die Landwirte, damit Tierwohl, Natur- und Umweltschutz praktikabel sind und wieder Spaß machen.